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Archiv: ÖPNV

oder: Was die Kommunalpolitik mit dem VRR zu schaffen hat

Bus

Auf dem Weg zur nächsten Fahrpreiserhöhung

Für die meisten von uns ist der VRR schlicht und einfach “der Laden”, der Schuld ist an alljährlichen Preiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr und der fortschreitenden Verschlechterung des Angebots an Bussen und Bahnen in Oberhausen.

Doch dem ist nicht so. Die Entscheidungen, die in den Führungsgremien des VRR gefällt werden, werden von konkreten Menschen getroffen: den Verkehrspolitikern aus den Städten, deren Verkehrsbetriebe (in Oberhausen ist dies die STOAG) dem VRR angehören. Diese sind es auch, die über die zum 1. August in Kraft tretende Fahrpreiserhöhung entschieden haben.

Wenn es also immer heißt der „Der VRR erhöht die Preise” dann stimmt dies so nicht. Es sind vielmehr die kommunalen Verkehrspolitiker, die dafür verantwortlich sind. Die Verantwortlichen für die erneute Preiserhöhung ab dem 1. August finden wir also auch in unserer Stadt. Es sind die gleichen Politiker, wie zum Beispiel der hiesige Baudezernent und STOAG-Vorstand Peter Klunk, die uns gerade erst ein ausgedünntes Liniennetz sowie einen zusammengestrichenen Fahrplan beschert haben.

Die Erhöhungen der Fahrpreise sind mehr als ärgerlich. Sie sind sozialpolitisch wie ökologisch eine fatale Fehlentscheidung. Angesichts von Klimawandel, Ressourcenknappheit und fortschreitender Umweltzerstörung brauchen wir eine Politik, die den verkehrspolitischen Wandel umgehend auf die Tagesordnung setzt. Ständig steigende Preise und die Streichung ganzer Verbindungen gehen genau in die falsche Richtung. Sozialpolitisch bedeutet die Erhöhung für immer mehr Menschen Ausgrenzung. Schon jetzt ist stehen die Kosten für die individuelle Mobilität in keinem Verhältnis zu dem in Hartz-IV-Regelsatz vorgesehenen 14,26 EURO monatlich für - wie es im amtsdeutsch heißt - „fremde Verkehrsdienstleistungen”. Das langt noch nicht einmal für zwei 4er-Tickets der Preisstufe A (Preis ab 1. August: 8,00 EURO), also 4 Fahrten (hin du zurück) innerhalb des Oberhausener Stadtgebiets. Ohne Mobilität ist in einer Gesellschaft, die auf Mobilität gegründet ist, eine Teilhabe am öffentlichen Leben jedoch kaum möglich. Die Einführung eines Sozialticket ist daher mehr als überfällig!

Unsere StOAG

Ab 21 Uhr dauert das Warten und die Fahrt nun deutlich länger!

Das, was Krankenkassen, Ärzte und Physiotherapeuten schon immer von uns forderten, wird nun durch die Ausdünnung und Streichung vieler Buslinien endlich Wirklichkeit. Vielen Dank an die STOAG. Wir freuen uns schon darauf, nach dem Besuch im Kino einen längeren, der Entspannung fördernden Spaziergang nach Hause zu machen. Sicherlich, es kann für den ein oder anderen ein bisschen weit und unter Umständen auch mal sehr spät werden, denn von Oberhausen-Mitte bis nach Schmachtendorf, dass dauert schon sein Zeit, aber von alleine wären wir nicht auf den klugen Gedanken gekommen.

Seit dem 14.06 gilt in Oberhausen der neue „optimierte“ Fahrplan der STOAG. Allerdings bedeutet „optimiert“ im Sinne von Verwaltung und SPD laut dem Fahrgastverband PRO BAHN eigentlich nur eine maßlose Kahlschlagaktion. Mit der Streichung vieler Linien wird ab 21.00 Uhr der Tagesbetrieb eingestellt und durch ein Nachtexpress-Netz im Stundentakt ersetzt. Ein Effekt ist, dass ca. ein Drittel aller Haltestellen nicht mehr angefahren werden.

Besonders Berufspendler und Jugendliche werden die Auswirkungen solcher „Optimierung“ zu spüren bekommen. Bislang ist der Nahverkehr im Ruhrgebiet im Vergleich zu anderen Ballungsräumen nicht gerade vorbildlich. Jetzt setzt die STOAG hier noch einen Tiefpunkt. Diese Kürzung ist nur ein Teil der Streichorgie, die uns das neoliberale Parteienprojekt von SPD, CDU, GRÜNE und FDP mit ihrem Haushaltssicherungskonzept beschert haben. Wenn sie uns jetzt schon mit solch unpopulären Maßnahmen beehren, kann sich jede/jeder ausrechnen, was uns nach der Kommunalwahl noch blüht.

Die LINKE.LISTE unterstützt den Fahrgastverband PRO BAHN bei seiner Forderung, nach der sofortigen Rücknahme dieser Kürzungen im öffentlichen Nahverkehr. Wir rücken auch nicht davon ab, weiter für ein Sozialticket zu kämpfen. Ein Zurückrudern der STOAG wird es nur geben, wenn sich viele Menschen in dieser Stadt wehren und den Druck auf die Politik erhöhen.