Über Monate hingen sie im Stadtgebiet: großformatige Plakate mit der Überschrift „Wir brauchen dich!”, die den RWO-Vorsitzenden und 1. Kulturbademeister der Stadt, Hajo Sommers sowie den Gründer und Eigner der Tectum Group, Hubertus Küpper, zeigten.
Mit dieser groß angelegten Rekrutierungskampagne warb der Call-Center Betreiber aus Gelsenkirchen-Ückendorf um neue Mitarbeiter für sein im Juni neu eröffnetes Call-Center auf dem ehemaligen Babcockgelände an der Duisburger Straße. 620 Jobs sollen dort, laut Aussage der Tectum Group, geschaffen werden.
Was den Interessenten bzw. die Interessentin dort aber dann an Arbeitsbedingungen erwartet, ist auch für diese Branche, in der ArbeitnehmerInnenrechte einen nur geringen Stellenwert haben, außerordentlich. Nämlich außerordentlich schlecht.
„Untragbar” seien laut verdi die Verhältnisse in den Call-Centern der Tectum Group, die in nur wenigen Jahren zum größten Call-Centerbetreiber in NRW aufgestiegen ist. Verdi-Sekretär Markus Neuhaus spricht in diesem Zusammenhang von „Galeeren-Sklaven-Zuständen” bei Tectum. So werden, nach Informationen ehemaliger MitarbeiterInnen, Verträge nach Krankheit gekündigt. Oder aber Provisionen für Teammitglieder gekürzt, wenn eines von ihnen krank ist. Um den Druck auf die MitarbeiterInnen möglichst schnell möglichst viele Verträge abzuschließen zu erhöhen, griffen Teamleiter auch zu Mitteln der körperlichen Bestrafung. Call-Center-Agents, die aus Sicht ihrer Vorgesetzten nicht schnell genug seien, zu wenige Verträge abschließen, werde auch schon mal der Stuhl entzogen, so dass sie im Stehen arbeiten müssten. Auch von direkten körperlichen Übergriffen gibt es Berichte. So hätte es Vorfälle gegeben, bei denen Teamleiter ihre Untergebenen mit Stricknadeln stechen, um diese „auf Trab zu bringen”.
Genauso untragbar wie die Arbeitsbedingungen sind wohl auch die Löhne bei Tectum. Das ergibt selbst bei einer vollen Stelle lediglich einen Monatslohn von gut 800.- €. Die Sicherung der eigenen Existenz ist damit selbst für Alleinstehende nur auf einem Niveau, das knapp über Hartz-IV liegt, möglich. Für alle anderen (zum Beispiel Teilzeitbeschäftigte oder Alleinerziehende Frauen) ist der Gang zur ARGE und die Beantragung ergänzender Leistungen vorprogrammiert. Zusätzlich zu den schlechten Arbeitsbedingungen, der miserablen Bezahlung müssen diese Beschäftigten sich dann auch noch auf den monatlichen, erniedrigenden Bittgang zur hiesigen ARGE/Soda einstellen.
Tectum das sind 620 „Jobs”, die die Menschen in Oberhausen nicht brauchen. Diese brauchen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mit festem Einkommen. Arbeitsplätze, die gewährleisten, dass sie ihre Existenz aus eigener Kraft sichern können. Die Menschen in Oberhausen brauchen Tectum nicht!
Weiterführende Links:
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Beitrag zu Tectum aus der Sendung 17.30 Live (Sat 1):
Richtig Rot! ist das Blog der LINKEN LISTE. Oberhausen für die Kommunalwahl 2009. 