Zerfall trotz Denkmalschutz

Zerfall trotz Denkmalschutz

Sie gehört zum Tackenberg wie Pommes Rot-Weiß zum Ruhrgebiet. Und doch fristet sie ein trauriges Dasein. Die Rede ist von der Schachtanlage IV der ehemaligen Zeche Osterfeld, dessen Förderturm ohne Übertreibung als herausragendes Kulturdenkmal bezeichnet werden kann. Die Gutehoffnungshütte (GHH) begann 1913 in unmittelbar Nähe des Musfeldhofes in Klosterhardt mit dem Bau des Schachtes Osterfeld IV. Nach den Entwürfen des Oberhausener Architekten Schwingen entstanden zwischen 1921 und 1924 die zugehörigen Tagesanlagen: das Verwaltungsgebäude und das Magazin sowie die Kaue für 1000 Belegschaftsmitglieder sind flache Klinkerbauten, die von einem 43 Meter hohen Förderturm überragt werden. Um den Förderturm weniger industriell erscheinen zu lassen, wendete der Baumeister erstmalig in der Industriearchitektur der 1920er Jahre eine neue Bauweise an. Er ‘hängt’ vor die tragende Stahlkonstruktion eine verklinkerte Stahlfachwerkfassade und erhält so ein geschlossenes Gebäude, das auch die Förderanlage aufnimmt. Große Teile der Weltkulturerbes Zeche Zollverein basieren auf der gleichen Bauweise. Der Turm besitzt daher technikgeschichtlich hohe Bedeutung. Seit 1993 stellte die Untere Denkmalbehörde die Tagesanlagen vorläufig unter Denkmalschutz. Doch trotz Instandhaltepflicht verfällt der ehemalige Förderturm und die ehemalige Waschkaue zusehens. Mehrmals haben wir als Ratsfraktion einen Sachstandsbericht von der Verwaltung angefordert. Immer hieß es:  Zurzeit führen Kaufinteressenten mit der Grundstückseigentümerin (DSK) in Abstimmung mit der Stadt Oberhausen Verhandlungen über den Grundstücksverkauf. Beabsichtigt ist, im Förderturm das Stadtarchiv unterzubringen und aus den Resten der Waschkaue Luxuswohnraum zu schaffen.

Wir sagen als LINKE.LISTE sagen dazu Nein und präsentieren ein eigenes Nutzungskonzept!

Der Förderturm soll als Aussichtsturm und die anderen Gebäude als Ruine erhalten bleiben. Unter Einbeziehung der angrenzenden St. Antony-Hütte könnte in einem archäologischen Park der Anfang und das Ende industriegeschichtlicher Entwicklung erlebbar gemacht werden. Dieser historischer Brückenschlag würde in Oberhausen eine einzigartige Anlage entstehen lassen, die über die Grenzen hinaus einen unverwechselbaren industriegeschichtlichen Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 leisten kann. Unser Vorschlag hat nicht nur mehr Charme, sondern ist darüber hinaus auch noch kostengünstiger. Mehr Informationen gibt es unter www.schachtiv.de.

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4 Kommentare

Sina schrieb am 10. August 2009 um 20:53

Was sollen wir schon wieder mit Luxuswohnungen. Hat mal einer in die NRZ geschaut, Vorstellung der Oberhausener Kandidaten. Es ist unglaublich, dass hier den Kandidaten der SPD,CDU und FDP vor allem oft nichts besseres wie “gehobene Wohnbebauung” einfällt, gleich um welchen Stadtteil es sich handelt. Ich frage mich, wo leben die denn? Ganz bestimmt im Wolkenkuckucksheim? Bei der hohen Arbeitslosenzahl in Oberhausen, wer kann sich da da gehobene Wohnbebauung leisten? Oder zahlt das demnächst Soda? Ja, wenn es so ist…. - Oberhausen braucht Freiflächen, braucht innovative Ideen und den Vorschlag von den Linken zu Schacht IV, finde ich richtig gut. Bildung und Freizeit verknüpfen. Ausflugsziel für Schulklassen - erlebbarer Unterricht. Wow.

Ford Prefect schrieb am 10. August 2009 um 21:08

Oberhausen braucht gehobene Wohnbebauung, weil Oberhausen mehr Menschen braucht, die NICHT vom Arbeitslosengeld oder von Hartz-IV leben! Genau das ist nämlich das Problem: zuviel Tranferleistungsempfänger, zu wenig gutsituierte Einwohner. Rezepte aus der Mottenkiste des Klassenkampfs helfen niemanden!

OberhausenWirdRot schrieb am 11. August 2009 um 13:46

Indem jedes Flecken Grün nun auch noch mit hoherwertiger Wohnbebauung verbaut wird, löst man sicherlich nicht die demographischen Probleme Oberhausens. Gerade indem Grün- und Erholungsflächen und ein attraktives Kulturangebot (wie Schacht IV) erhalten bleiben, wird Oberhausen auch für Menschen attraktiver, die vielleicht ein paar Euro mehr auf der hohen Kante haben. Nicht umsonst geht der Trend dahin, ins Gründe hinauszuziehen. Außerdem hat Oberhausen genug leerstehende Wohnfläche zu bieten, die gerne “hoherwertig” modernisiert werden kann. Aber alles zubauen kann nicht die Lösung sein, abgesehen davon, dass auch WIR Oberhausener Frei- und Erholungsflächen brauchen für uns und unsere Kinder brauchen!

Revoluzzer schrieb am 14. August 2009 um 15:02

@FordPrefect: Mit der Idee, zahlungskräftiges Klientel anzulocken, ist Oberhausen ja nicht alleine. Die Städte versuchen sich hier gegenseitig auszustechen und stehen in harter Konkurrenz zueinander.
Aber nicht nur die Städte, sondern auch die einzelnen Stadtteile buhlen gegeneinander um Wohlstandsbürger. Sterkrade gegen Alt-Oberhausen, Osterfeld gegen Sterkrade, usw.
Dafür werden reihenweise die letzten Grünflächen zerstört und ökologische Aspekte in den Boden gestampft, wie letztens erst am Freitagshof geschehen.
Das ist doch absurd.

Und dann soll mir mal einer erklären, wieso irgendwelchen reichen Leute unbedingt nach OB ziehen sollten, wenn sie die Auswahl haben.

Na ja, vielleicht kommen die ja wegen der hochqualifizierten und gut bezahlten Arbeitsplätze, dem hervorragenden kulturellen Angebot, der erstklassigen Bäderlandschaft und dem vielen Grün.

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