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Kategorie: Kultur

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Neue Aussichten an der A42?

Parkautobahn - Die neue Verkehrskultur

Im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 stehen die Uhren auf Kultur, da muss auch der Emscherschnellweg zur visuellen Kulturachse rausgeputzt werden.
Land, Kommunen, RVR und Straßen NRW haben eine Arbeitsgruppe gebildet, ein paar einfallsreiche Planungsbüros mit ins Boot genommen und sich inspirieren lassen von den Parkanlagen des Schlosses Sanssouci. Das Konzept war geboren: Die A 42 wird als Kulturhauptstadtprojekt zur Parkautobahn und soll zukünftig das „Rückgrat“ als Panoramastraße im Emscher Landschaftspark bilden. Den Autofahrern soll so die Gesamtheit und Vielfalt der Industrielandschaft näher gebracht werden.

Zu diesem Zwecke werden zwischen Castrop-Rauxel und Duisburg auf insgesamt 36 ha  Seitenstreifen  sowie  in den Innenbereiche der Autobahnkreuze (sog. „Ohrenparks“) Gehölze ausgelichtet und parkähnlich gestaltet. So soll laut Machbarkeitsstudie und Farbglanzbroschüre die „willkürlich gewachsenen“ Gehölzbestände „redesignt“ und durch „gezielte Intervention“ Sichtfenster zu prägnanten Sehenswürdigkeiten geschaffen werden, um dem Autofahrer die „grünen Scheuklappen“ zu nehmen.  Die Lärmschutzwände erhalten an prägnanten Stellen Aussichtsfenster und ein einheitliches Farbkonzept. Letzteres soll  mit entsprechender Farbtaktung herannahende Sehenswürdigkeiten anzeigen, damit für den Autofahrer genügt Zeit zur Vorbereitung bleibt, diese durch die Aussichtsfenster bei Tempo 80 bis 100 zu betrachten. Für den Fall, dass es dennoch zu schnell geht, werden zusätzlich an den  Anschlussstellen Parktankstellen eingerichtet. Hier darf dann zum ersten und einzigen Mal der Autofahrer anhalten und aussteigen, um Kultur nachzutanken.

Im März wurde in Bottrop und Duisburg bereits mit dem Fällen der Bäume begonnen. Laut BUND werden es insgesamt rund Tausende sein. Begleitet von der Vernichtung spontan angesiedelter Artengemeinschaften. Gemäß den Initiatoren wäre dieses ohnehin notwendig gewesen, da der Gehölzbestand instabil und nicht standortgerecht ist. Warum dann nicht qualitativ hochwertig gestalten. Und daher können auch bereits eingeplante Mittel von mehreren Millionen für Lärmschutzsanierung und Pflege und Unterhaltung des Begleitgrüns einfließen.

Wem der Sinn des Konzeptes bis hierhin verborgen blieb, wird beim Thema Finanzierung auch nicht fündig:
Die geschätzten Gesamtkosten von rd. 41 Mio. Euro werden aus Hauhaltsmitteln des Landes und der Kommunen sowie weiteren Fördermitteln finanziert. Davon werden mehrere Millionen Euro den finanzgeplagten Kommunen zu Buche geschlagen. Unter anderem aus dem Ökologieprogramm Emscher-Lippe (ÖPEL), dass zum Zwecke der „nachhaltigen ökologischen Aufwertung“ und der „naturverträglichen Erholung“ eingesetzt werden soll.
Ob es dem morgendlichen, gähnenden Pendler auf der A 42 freuen wird, dass ihm der jahrzehntelang gewachsene Baumbestand nicht länger in seiner kulturellen Wahrnehmung isoliert, ist fraglich. Fragwürdig ist wieder einmal, dass gemäß MUNLV alle gesetzlichen naturschutzfachlichen Belange geprüft, alle zuständigen Stellen beteiligt, jegliche Finanzierungsmöglichkeiten eruiert sowie vom Planer in die dafür notwendigen konzeptionellen Wortphrasen gebracht wurden und eigentlich nichts und niemand durch dieses Konzept betroffen sein soll.

Was bleibt ist das Wochenende. Zur Erholung kann man dann mit seinem neuen, gerade mit der Abwrackprämie mitfinanzierten Auto entlang des Emscher“schnell“weges auf kulturelle Spuren wandern und fühlt sich fast wie im Urlaub in Frankreich. Nur schade, dass die Informations-CD zum Projekt noch nicht zu kaufen ist, die könnte man schön nebenher laufen lassen. So muss man wohl noch aussteigen.